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Die erste Konfirmation

1723

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"... Ad Actum confirmationis, Anno 1723."

Wir schreiben das Jahr 1723. Am Pfingstsonntag ist der ganze Ort auf den Beinen und beobachtet die Prozession, die sich vom Schulhaus zur Kirche des Ortes begibt. Sie ist die erste ihrer Art, hier in Hoheneck, im Herzogtum Württemberg.
Angeführt wird die Prozession von Pfarrer Johann Friedrich von Kapff.
Ihm folgen sieben Buben und drei Mädchen.
Sie sind auf dem Weg zu der bislang wichtigsten Feier ihres jungen Lebens. Sie sind auf dem Weg zu ihrer „Tauf-Munds-Erneuerung“.
Mit anderen Worten zur Feier der ihrer Konfirmation.
Sie werden ihr Ja-Wort zu ihrer Taufe geben.
Ihr Ja-Wort zu Christus und seiner Gemeinde.
Nach dem Abschluss der Feier gelten sie dann als vollwertige Gemeindeglieder. Ihr Leben als Erwachsene fängt nun an.
Die meisten beginnen nun ihre Berufsausbildung oder gehen einer Arbeit nach, um ihren Teil zum Unterhalt der Familie beizutragen.
Auch im Umgang mit den nun jungen Männern und Frauen wird das nun deutlich. Sie werden ab sofort mit „Sie“, statt mit „du“ angesprochen.

Neben der Einleitung, die in Latein verfasst wurde, sind uns auch die Namen der ersten Konfirmanden und Konfirmandinnen überliefert:

Ad Actum confirmationis Anno

1723 in nostram Wurtembergiam

introductum ut et ad sacram

quae modo sequebatur Eucaezis

prima vice admissi sunt

Festo sanctae Pentecostes


Herzlichen Dank an Dr. Simon Karzel (Stadtarchiv-Ludwigsburg) für die Transkription und Übersetzung des lateinischen Textes.

~

Zur Konfirmation, die im Jahr
1723 in unserem Württemberg eingeführt wurde,
wie auch zum Gottesdienst,
auf den alsbald das Abendmahl folgte,
wurden zum ersten Mal am heiligen Pfingstfest zugelassen:

Hannß Jerg Eckardt - Hannß Jerg Schlotterbeck - Hannß Jacob Kuentzle
Bernhardt Bömmerle - Matthæus Schneller - Caspar Klett - Jacob Klotz

 

Rosina Gernhardtin 

Anna Catharina Bömmerlin - Sabina Barbara Bömmerlin

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Ein wichtiger Schritt hin zur Normalität.
Der 30-jährige Krieg hatte tiefe Wunden geschlagen. Von der "Vorkriegsnormalität" war auch Württemberg noch weit entfernt. Regularien, um die gesellschaftliche Struktur zu stärken, waren dringend erforderlich. Der christliche Glaube war seinerzeit fest in die Gesellschaft eingebettet und war so bestens hierfür geeignet. So kam es zum Erlass von Eberhard Ludwig – Herzog zu Württemberg und Teck. Er verfügt 1722, dass die Konfirmation in seinem Machtbereich eingeführt werde.
Der erste Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kindlein), wurde zum Konfirmationssonntag erklärt.

 

Hoheneck war zum Ende des 30-jährigen Krieges nahezu ausgelöscht.
1694 lebten noch ganze 8 Seelen im zerstörten Hoheneck.
Aber „das Stättlein Hoheneck“ überstand auch diese schlimme Zeit.

Allmählich kehrte Ruhe in die religiösen Streitigkeiten des 30-jährigen Krieges ein, die über Jahrzehnte hinweg Anlass für so viel entmenschlichter Gewalt, Hunger und Tod waren. Das religiöse Hin- und Her war beendet und Hoheneck evangelisch geworden.  
Die Menschen sehnten sich nach der Ruhe und Ordnung, wie sie vor dem 30-jährigen Krieg hier herrschte und damals für einen gewissen Wohlstand gesorgt hatte. Hierfür waren Strukturen notwendig. Regelungen die den Menschen endlich wieder Sicherheit geben sollten

Die 180 Seelen, die 1722 mittlerer Weile in Hoheneck lebten und arbeiteten, wollten endlich zur Ruhe kommen. Der christliche Glaube war seinerzeit fest in die Gesellschaft eingebettet. So kam es zum Erlass von Eberhard Ludwig – Herzog zu Württemberg und Teck verfügt 1722, dass die Konfirmation in seinem Machtbereich eingeführt werde.
Der erste Sonntag nach Ostern, Quasimodogeniti (Wie die neugeborenen Kindlein), wurde zum Konfirmationssonntag erklärt.
So wurde auch in Hoheneck von Pfarrer Kapff die Konfirmation gefeiert. Allerdings fand die Konfirmation, entgegen der herrschaftlichen Anweisung, erst am „Heiligen Pfingstfest“ und nicht bereits an „Quasimodogeniti“ statt; was der Wichtigkeit jedoch keinen Abbruch tat.
Die Konfirmation stellte damals, wie auch heute, einen wichtigen Schritt dar; einen wichtigen Schritt im Leben unter Gottes Segen.

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